Warum wir (noch) keinen Bio-Tee verkaufen

Immer wieder kommt die Frage auf, ob wir nicht Bio-Tee verkaufen sollen. Da ich es mir selber schon mehrmals überlegt habe, hier die Gründe, warum wir momentan keinen Bio-Tee verkaufen bzw. genauer gesagt auf ein Bio-Label verzichten.

Bio-Tee: Foto das Hände zeigt, welche Teeblätter im Wok wenden.

1. Die Zertifizierung von Bio-Tee ist teuer – sowohl in der Produktion als auch im Import

Um Bio-Tee herstellen zu können, muss die gesamte Produktion einem Zertifizierungs-Prozess unterzogen werden. Das kostet – mitunter mehrere tausend Franken. Dazu kommt, dass während der Umstellungszeit auf Bio der Tee noch nicht als Bio-Tee verkauft werden kann und so vom Preis her noch kein Aufpreis verlangt werden kann. Für kleine Tee-Produzierende ist eine solche Zertifizierung finanziell kaum zu stemmen.

Auf der anderen Seite muss auch die Person, die Bio-Produkte verkaufen möchte, eine Zertifizierung haben. Um für Queen T also Bio-Tee verkaufen zu können, müssten wir uns zunächst als Importbetrieb anmelden. Auch dies umfasst eine Zertifizierung, die über tausend Franken kostet und jedes Jahr erneuert werden muss. Da wir (noch) ein kleiner Betrieb sind, lohnt sich das für uns nicht. Das kann sich in Zukunft ändern, aber grundsätzlich halten wir an der Überzeugung fest, dass du, wenn du Tee bei uns kaufst, vor allem für die Qualität des Tees zahlst und möglichst wenige Extra-Kosten dazukommen.

Sorgfältig hergestellter Tee ist eigentlich „Bio“

Ein hochwertiger chinesischer Tee entsteht unter bestimmten Bedingungen: Erstens ist der Anbau und die Pflege der Teepflanzen eine wichtige Basis. Es gibt viel Wissen darüber, wie die die Pflanzen gedüngt, geschnitten und von Insekten beschützt werden können. Gute Tee-Produzierende werden darauf achten, die Pflanzen so naturnah wie möglich wachsen zu lassen und auf chemische Mittel weitestgehend zu verzichten. Zudem geht viel Wissen in die Verarbeitung der Teeblätter, die in der Regel von erfahrenen Personen geleitet wird. Sie wissen genau, wie lange ein Tee geröstet werden muss, wann die Blätter die richtige Farbe haben und wie lange sie trocknen müssen.

Mit einem Bio-Siegel bekommt eine solche Produktion auf der einen Seite eine Anerkennung. Auf der anderen Seite muss diese Anerkennung sehr teuer erkauft werden. Das Geld für diese Zertifizierung fliesst an internationale Zertifizierungsstellen. Auch wenn es langfristig gesehen einen Vorteil bedeuten kann, ein Bio-Zertifikat zu haben, fliesst doch viel Geld ab von den Produzierenden vor Ort.

Bio-Standard: Wer profitiert eigentlich?

Bio ein internationaler Produktionsstandard. Das heisst einerseits, dass die Macht zur Zertifizierung bei internationalen Organisationen liegt, die in der Regel vom Westen dominiert werden. Schaut man sich die Geschichte von Bio als Produktionsstandard an, so liegen seine Wurzeln im Westen. Als man in China in den 1980ern begann, sich mit Bio-Produktion zu beschäftigen (ja, bereits in den 1980er-Jahren, ich habe einmal eine Master-Arbeit zu dem Thema geschrieben 🙂 ), war klar, dass hier ein westliches Konzept importiert wird. Zwar teilen traditionelle Landwirtschaftsweisen in China oder anderswo viele Werte und Techniken des Biolandbaus. Die spezifische Reglementierung der Produktion durch international vorgegebene Standards ist aber eine neuere, westliche Entwicklung.

Wenn man nun bedenkt, wieviel Geld eine solche Zertifizierung eines Betriebs kostet (viel!) und wohin das Geld fliesst (internationale, westlich dominierte Zertifizierungsunternehmen), dann stellt sich die Frage, wer denn am Ende von Bio profitiert.

Da wir die Idee von Bio grundsätzlich unterstützen, uns aber dieser Problematik bewusst sind, haben wir einen Mittelweg gewählt: Uns ist wichtig, dass die Produktion auf nachhaltige Weise geschieht unabhängig davon, ob der Produktionsbetrieb ein Bio-Zertifikat hat oder nicht. Deshalb besuchen wir die Produktionsstätten unserer Tees in regelmässigen Abständen.

Wenn du mehr erfahren möchtest, wie wir unseren Tee aussuchen, dann erfahre mehr darüber in unserem Artikel dazu! Für eine Vertiefung des Themas Bio-Tee, schau dir auch das Video von Meileaf an.

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